Montag, 24. August 2026

Gottesanbeterin

Männerfresserin bundesweit auf dem Vormarsch
Die Gottesanbeterin macht sich im Hitzejahr 2026 früh und häufig bemerkbar

Foto: Adrian Scheel/NABU/CEWE

Aufgrund des Klimawandels breitet sich die Gottesanbeterin seit einigen Jahren in Deutschland aus. Der Sommer 2026 scheint der Fangschrecke mit den Riesenaugen besonders gut zu tun. Noch nie wurden so viele Gottesanbeterinnen gesichtet.

Die Zahl der Beobachtungen nimmt immer weiter zu, in der Spitze sind es mehr als tausend pro Tag. Seit Anfang Juli wurden bei NABU-naturgucker.de über 17.000 Meldungen eingetragen. Das ist doppelt so viel wie im gesamten letzten Jahr. Auch wenn bei den Bildern vereinzelt mal ein Heupferd oder eine Sichelschrecke als Gottesanbeterin hochgeladen wird, sind 99,9 Prozent der Bilder korrekt bestimmt. Die Fehlerquote liegt also bei einem Promille, das ist sensationell gut.

Allein in der letzten Juliwoche 2026 gingen im Portal NABU-naturgucker.de mehr als 2.000 Beobachtungen ein. Das ist ein Mehrfaches der Vorjahre und außergewöhnlich früh. Auf dem Weg von der Larve zum fertigen Insekt häuten sich Gottesanbeterinnen mindestens sechs Mal. Je nach Umgebung sind sie grün oder braun gefärbt und dadurch bestens getarnt. Flügel haben nur die erwachsenen Tiere. Nun fallen sie auf, wenn sie auf der Suche nach Nahrung und Hochzeitspartnern kurze Flüge unternehmen und dabei auch in Gärten kommen oder sich sogar ins Haus verirren. Der Anstieg der Beobachtungen signalisiert daher, dass immer mehr ausgewachsene Gottesanbeterinnen unterwegs sind. Meist ist das ab Mitte August der Fall, 2026 hat die Hitze die Entwicklung um zwei bis drei Wochen beschleunigt.

Diese Gottesanbeterin habe ich in Norditalien gefunden

Zwei Teilvorkommen im Westen und Osten Deutschlands

Die auch "Mantis" genannte Gottesanbeterin galt noch vor wenigen Jahrzehnten als Exotin und kam fast nur am Kaiserstuhl im äußersten Süden der Republik vor. Im Zug des Klimawandels hat sich das Areal gewaltig vergrößert. Heute gibt es ein großes Westvorkommen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie ein deutlich davon getrenntes Ostvorkommen von Thüringen bis zur Lausitz und hoch nach Berlin. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die „Ost-Gottesanbeterinnen“ aus Tschechien und Polen eingewandert sind.

Besonders zahlreich sind aktuell die Sichtungen in der Westpopulation. „Bei Durchschnittstemperaturen von 17 Grad Celsius und mehr entwickeln sich Eier und Larven beschleunigt. Das war in der kritischen Zeit von Mai bis Ende Juni 2026 vor allem im Südwesten der Fall. Es gibt eine hohe geografische Übereinstimmung zwischen Frühjahrswärme und Meldeboom“, so Alexander Wirth, Datenanalyst bei NABU-naturgucker.de. „In Sachsen oder Brandenburg ging es nicht ganz so flott, aber auch dort wird es erkennbar ein sehr gutes Mantisjahr.“

Man darf gespannt sein, ob sich die beiden Metapopulationen vereinigen werden und bald ganz Deutschland besiedelt ist. Einzelne Funde gibt es inzwischen aus jedem Bundesland, aber in der Fläche bleibt viel Luft. Nach Norden dünnen die Bestände stark aus, die Mittelgebirge sind der Mantis auch noch zu kalt.

Wer eine Gottesanbeterin sieht, sollte das unbedingt melden. Die Art ist für Citizen Science, also die Erfassung durch Laien, ideal geeignet. Sie ist ruhig und geduldig, man kann sie gut fotografieren. Und sie ist durch ihre großen Fangarme unverwechselbar. Auswertungen der hochgeladenen Bilder zeigen, dass es kaum Fehlbestimmungen gibt.

Europ. Gottesanbeterin Foto: Frank Derer

Ein Drittel der Männchen wird aufgefressen

Bei den Gottesanbeterinnen ist in den nächsten Wochen Fortpflanzung angesagt. Noch bis in die zweite Septemberhälfte sind sie häufig zu sehen, dann nimmt ihre Zahl rasch ab. Geschätzt ein Drittel der Männchen stirbt bereits unmittelbar nach der Paarung, denn sie werden von den Weibchen verspeist. Was grausam klingt, ist im Sinne der Arterhaltung nachvollziehbar. Die Männchen haben ihre Schuldigkeit getan und die Weibchen stärken sich für die anstrengende Eierproduktion. Im Herbst sterben auch die Weibchen, nur die „Oothek“ genannten Eipakete überwintern.

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