Männerfresserin bundesweit
auf dem Vormarsch
Die Gottesanbeterin macht sich im Hitzejahr 2026 früh und häufig bemerkbar
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| Foto: Adrian Scheel/NABU/CEWE |
Aufgrund des Klimawandels
breitet sich die Gottesanbeterin seit einigen Jahren in Deutschland aus. Der
Sommer 2026 scheint der Fangschrecke mit den Riesenaugen besonders gut zu tun.
Noch nie wurden so viele Gottesanbeterinnen gesichtet.
Die Zahl der Beobachtungen
nimmt immer weiter zu, in der Spitze sind es mehr als tausend pro Tag. Seit
Anfang Juli wurden bei NABU-naturgucker.de über 17.000 Meldungen
eingetragen. Das ist doppelt so viel wie im gesamten letzten Jahr. Auch wenn
bei den Bildern vereinzelt mal ein Heupferd oder eine Sichelschrecke als Gottesanbeterin hochgeladen
wird, sind 99,9 Prozent der Bilder korrekt bestimmt. Die Fehlerquote liegt also
bei einem Promille, das ist sensationell gut.
Allein in der letzten
Juliwoche 2026 gingen im Portal NABU-naturgucker.de mehr als 2.000 Beobachtungen ein.
Das ist ein Mehrfaches der Vorjahre und außergewöhnlich früh. Auf dem Weg von
der Larve zum fertigen Insekt häuten sich Gottesanbeterinnen mindestens sechs
Mal. Je nach Umgebung sind sie grün oder braun gefärbt und dadurch bestens getarnt.
Flügel haben nur die erwachsenen Tiere. Nun fallen sie auf, wenn sie auf der
Suche nach Nahrung und Hochzeitspartnern kurze Flüge unternehmen und dabei auch
in Gärten kommen oder sich sogar ins Haus verirren. Der Anstieg der
Beobachtungen signalisiert daher, dass immer mehr ausgewachsene
Gottesanbeterinnen unterwegs sind. Meist ist das ab Mitte August der Fall, 2026
hat die Hitze die Entwicklung um zwei bis drei Wochen beschleunigt.
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| Diese Gottesanbeterin habe ich in Norditalien gefunden |
Zwei Teilvorkommen im Westen
und Osten Deutschlands
Die auch "Mantis" genannte
Gottesanbeterin galt noch vor wenigen Jahrzehnten als Exotin und kam fast nur
am Kaiserstuhl im äußersten Süden der Republik vor. Im Zug des Klimawandels hat
sich das Areal gewaltig vergrößert. Heute gibt es ein großes Westvorkommen
entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie ein deutlich davon getrenntes
Ostvorkommen von Thüringen bis zur Lausitz und hoch nach Berlin. Genetische
Untersuchungen zeigen, dass die „Ost-Gottesanbeterinnen“ aus Tschechien und
Polen eingewandert sind.
Besonders zahlreich sind
aktuell die Sichtungen in der Westpopulation. „Bei Durchschnittstemperaturen
von 17 Grad Celsius und mehr entwickeln sich Eier und Larven beschleunigt. Das
war in der kritischen Zeit von Mai bis Ende Juni 2026 vor allem im Südwesten
der Fall. Es gibt eine hohe geografische Übereinstimmung zwischen
Frühjahrswärme und Meldeboom“, so Alexander Wirth, Datenanalyst bei
NABU-naturgucker.de. „In Sachsen oder Brandenburg ging es nicht ganz so flott,
aber auch dort wird es erkennbar ein sehr gutes Mantisjahr.“
Man darf gespannt sein, ob
sich die beiden Metapopulationen vereinigen werden und bald ganz Deutschland
besiedelt ist. Einzelne Funde gibt es inzwischen aus jedem Bundesland, aber in
der Fläche bleibt viel Luft. Nach Norden dünnen die Bestände stark aus, die
Mittelgebirge sind der Mantis auch noch zu kalt.
Wer eine Gottesanbeterin
sieht, sollte das unbedingt melden. Die Art ist für Citizen Science, also die
Erfassung durch Laien, ideal geeignet. Sie ist ruhig und geduldig, man kann sie
gut fotografieren. Und sie ist durch ihre großen Fangarme unverwechselbar.
Auswertungen der hochgeladenen Bilder zeigen, dass es kaum Fehlbestimmungen
gibt.
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| Europ. Gottesanbeterin Foto: Frank Derer |
Ein Drittel der Männchen
wird aufgefressen
Bei den Gottesanbeterinnen
ist in den nächsten Wochen Fortpflanzung angesagt. Noch bis in die zweite
Septemberhälfte sind sie häufig zu sehen, dann nimmt ihre Zahl rasch ab.
Geschätzt ein Drittel der Männchen stirbt bereits unmittelbar nach der Paarung,
denn sie werden von den Weibchen verspeist. Was grausam klingt, ist im Sinne
der Arterhaltung nachvollziehbar. Die Männchen haben ihre Schuldigkeit getan
und die Weibchen stärken sich für die anstrengende Eierproduktion. Im Herbst
sterben auch die Weibchen, nur die „Oothek“ genannten Eipakete überwintern.